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Geschichte von RadioT

Wenn Urgesteine erzählen ...

DJ Emil (Gründungsmitglied Radio T e. V.): „Gregor Rottschalk (Rias II), Günther Fink (NDR II), Burkhard Rausch (Rias II) und Lutz Schramm (DT 64) - das waren meine Vorbilder! Und Barry Graves war für mich ganz wichtig! Der hat zum Beispiel in den 80ern auf Rias II eine wahnsinnig gute Disco-Show produziert, die hieß „Studio eightynine“. Die lief immer zwischen zwölf und halb zwei. Barry war damals einer der ersten, der über den Äther mixte und mit Soundeffekten arbeitete. Das Westradio lieferte mir die Inspirationen. Wobei das Ende der 80er umgekippt ist! Westradio wurde immer glatter und bekam durch neue Medien Konkurrenz. Deshalb gewann das Ostradio, besonders DT 64, für mich an Bedeutung.

In einer Dachkammer in der Henriettenstraße 51 nahm das Trockenradio im Herbst 1990 seinen Anfang. Formi, Toli, Ulrike, Conny, Empunkt Richter, Olaf und noch einige andere Enthusiasten legten für die Besucher der Apotheke ihre Platten auf. Da wurde wild drauflos gesendet, manchmal thematisch, manchmal postrevolutionär! 70 bis 80 Leute saßen dann unten im Erdgeschoss und haben sich das jeden Sonntagabend anhören müssen..."

DJ Empunkt (Gründungsmitglied Radio T e. V.): „Der Klub, die Apotheke, war für uns insofern wichtig, als dass er Verbindungen schuf zu Stiftungen, Vereinigungen etc. Formi (unser langjähriger Schatzmeister) hatte zum Beispiel durch derartige Kontakte zum gewerkschaftlichen Verein „Arbeit und Leben e. V.“ erst einmal Plattenspieler und Mischpult besorgt. Nach und nach organisierten wir uns so einfache, aber gute Technik, ein Grundstock für den regelmäßigen Radiobetrieb.“
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Am 26. Januar 1991 wurde Radio T eingetragener Verein. Gedanken über Programmgestaltung, Finanzen etc. reiften zu dieser Zeit. Seitdem gibt es einmal in der Woche Redaktionssitzungen. Die wurden anfangs noch ziemlich enthusiastisch geführt! Eine Frequenz für „unser“ Radio zu bekommen, schien damals einfach. Was den Rundfunk betraf, bewegte sich alles in einem ziemlich (gesetz-)leeren Raum. Die alten Gesetze galten nicht mehr, neue gab es noch nicht. Dass es bis Ende 1994 dauern würde, bis die Lizenzverträge unterschriftsreif waren, ahnte damals zum Glück niemand.

Es folgte eine recht bewegte Zeit für den Verein.
Radio T zog dreimal um. Über die Stationen „Leimtopf“ im Stadtteil Bernsdorf, kommunales Kulturhaus „Kraftwerk“, erster Stock, in eine ehemalige Dachwohnung im „Kraftwerk“. Letzterer Umzug war nötig, da die Studios direkt über dem Veranstaltungsort ZOOM lagen. Dies ergab sowohl Probleme für sensible Moderatoren als auch für die Produzenten leiser Sendungen. Besonders die Plattenspieler reagierten heftig hüpfend auf kräftige Basstöne.

Die Lizenzverhandlungen um eine Sendefrequenz nahmen 1993/94 allmählich konkrete Gestalt an. Nach mehreren Fehlschlägen in der Zusammenarbeit mit anderen Sendern (Radio Energy, Radio Chemnitz), die eigentlich in einem Fensterprogramm münden sollten bzw. in dem Versuch, in Chemnitz einen offenen Kanal zu installieren, wurde 1994 mit RadioRopa Info ein passendes Mantelprogramm gefunden.
Im Ergebnis dieser Verhandlungen gab es eine gekoppelte Sendelizenz von RadioRopa mit Radio Blau und Uniradio Mephisto in Leipzig sowie mit Radio T in Chemnitz. An die zwei Freien Radios (Radio Blau, Radio T) wurde dabei eine vorläufige Sendezeit von vier Wochenstunden mit einer Erweiterungsoption auf zwölf Wochenstunden vergeben.
Mit immensem Elan und vielen neuen Leuten ging es an all die neuen Aufgaben, die mit der regelmäßigen Sendetätigkeit und einem erheblichen Erfolgsdruck auf das Radio zukamen.

Vor all den Mühen kam 1995 allerdings ein erster großer Erfolg. Mit dem einstündigen Feature „Meine Maschine - Texte und Lieder zur Zeit, 1950-1960“ gewann Radio T (Autoren: Fred Fechter, Peer Ehmke) den 3. Preis im Sächsischen Hörfunkwettbewerb. Dies in einem Jahr, in dem die Sächsische Landesmedienanstalt lediglich drei Hörfunkpreise vergab.

Die Hoffnungen auf baldige Sendezeiterweiterung erfüllten sich allerdings nicht.
Da die Lage im Äther unverändert blieb, wurden Projekte mit anderen Vereinen, Schulen und Institutionen angeschoben. Insbesondere die Beteiligung an dem vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie geförderten zweijährigen Projekt „Den Ton Angeben“ unter der Regie von „Arbeit und Leben e. V. Bayern“ prägte die weitere Entwicklung von Radio T. Es erfolgte eine stärkere Hinwendung zu Jugendarbeit, Medienpädagogik und soziokultureller Arbeit.

Diese Tendenz wurde 1997 mit der kompletten Neubesetzung des Vorstandes erheblich ausgebaut. Folge dieser Aktivitäten war der Antrag auf den Titel „Anerkannter Träger der Freien Jugendhilfe“, der im Februar 1998 vom Jugendhilfeausschuss der Stadt Chemnitz positiv beschieden wurde.

Im Jahr 1997 gab es auch schon einiges zu feiern. Zweimal gewann Radio T 1. Preise im sächsischen Hörfunkwettbewerb der SLM. Sieger wurden die Reportage „Steinbruch Mühlau“ (Autoren: Astrid Fröde und eine Kinderprojektgruppe) sowie das Kurzhörspiel „Hensel und Grätel“ (Autor: Jörg Braune).
geschichte-joergGefeiert wurden auch politische Siege. Die Sächsische Landesmedienanstalt strich uns den Zuschuss zu den Sendeleitungskosten. Damit war die Ausstrahlung unseres Programms bedroht, da wir diese finanziellen Mittel für die Sendeleitungskosten nicht allein aufbringen konnten. Wunsch der SLM war die Eingliederung der sächsischen Freien Radios in die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK). Dies hätte jedoch den Verlust unserer Selbständigkeit bedeutet und den Grundsätzen eines Freien Radios widersprochen.
Ein großes, von uns mitinitiiertes, mediales Echo (u.a. Freie Presse, fast alle sächsischen Radios), die Unterstützung durch andere Vereine und Institutionen sowie aufgeweckte Politiker führten zur Rücknahme dieser Entscheidung.
Das Verhältnis zum Medienrat, dem wichtigsten Gremium der Sächsischen Landesmedienanstalt, war zu diesem Zeitpunkt auf seinem Tiefstand. Neue Hoffnung keimte erst wieder auf, als Ende 1998 dieses Gremium neugewählt wurde. Tatsächlich gab es erstmalig seit 1995 wieder eine größere Geldsumme zur Technikförderung. Damit konnte eine weitere Ausweitung und Professionalisierung unserer soziokulturellen und medienpädagogischen Arbeit angegangen werden.
Ungeachtet dieser positiven Geste dauerte es noch bis zum Ende des Jahres 2000, bis tatsächlich ernsthaft das Thema Sendezeiterweiterung erörtert wurde. Letztendlich konnten wir nur durch eine gerichtliche Klage unseren ernsthaften Willen zur Nutzung von mehr Sendezeit verdeutlichen.

Im Jahr 2000 gelang es uns, die über die Jahre durch verschiedene Konstruktionen finanzierte Stelle für Kinder- und Jugendarbeit in eine feste, vom Amt für Jugend und Familie Chemnitz getragene Stelle umzuwandegeschichte-ramonaln. Dies geschah ausdrücklich in Würdigung unserer bisher geleisteten Arbeit als Anerkannter Träger der Freien Jugendhilfe. Kinder- und Jugendredaktionen, Schulpraktikanten sowie die Teilnehmer von Ferienkursen und Projekttaggen bereichern seitdem unser Programm.
Auch für diese strebten wir die Ausweitung unserer Sendezeit an. Es ist unsinnig, die mit viel Liebe gestalteten Beiträge und Sendungen an der Zielgruppe vorbei im Nachtprogramm zu senden. Anerkennung für die Kinder- und Jugendarbeit von Radio T gab es auch seitens der SLM. Im Jahr 2001 konnte mit den Beitrag „Leben mit Behinderung - die Chemnitzer Schwimmerin Maria Götze“ die Mädchenredaktion „Basta!“ mit ihrer Betreuerin Ramona Christl einen 3. Platz beim Sächsischen Hörfunkpreis belegen.

Die im Juni 2001 begonnenen Verhandlungen mit der SLM, der Telekom, dem FAZ Businessradio und Oldie.fm (Mantelanbieter auf der Frequenz 91,0 Mhz und Nachfolger RadioRopas) um eine Sendezeiterweiterung für Radio T inklusive Finanzierung führten im Sommer 2002 zu ersten Ergebnissen.
Am 1. August 2002 bewarb sich Radio T um 52 Stunden auf der neu ausgeschriebenen Frequenz 102.70 MHz in Chemnitz. Aufgrund finanzieller Probleme konnte der geplante kommerzielle Mantelprogrammanbieter FAZ Businessradio seine Bewerbung nicht aufrecht erhalten, und die Ausschreibung begann von vorn.

Im Oktober 2002 zog Radio T erneut um. Hintergrund war neben der schlechten baulichen Situation im alten Domizil vor allem der zu erwartende Platzbedarf bei Ausweitung unserer Sendezeit. Unser neues und schönes Zuhause befindet sich nun in der Karl-Liebknecht-Str. 19, zwischen Busbahnhof und Operhaus, und damit im erweiterten Stadtzentrum von Chemnitz.
geschichte-umzug
Im April 2003 gaben wir in einer neuen Konstellation die nächste Bewerbung zur immer noch offenen Chemnitzer Frequenz 102,7 MHz ab. Mit im Boot war diesmal das Chemnitzer Studentenradio UNiCC. Vorausgegangen war dem eine massive Kampagne zur Sendezeiterweiterung. Viele hundert Chemnitzer beteiligten sich, um dem Freien Radio in Chemnitz zum Durchbruch zu verhelfen.
Am 17.12.2003 war es endlich soweit. Radio T erhielt eine eigene Sendelizenz von 28 Wochensendestunden, täglich von 18 bis 22 Uhr. Mit Apollo (ein neugegründeter Zusammenschluss der großen privat-kommerziellen Rundfunkanbieter in Sachsen), dem anderen Anbieter auf der gemeinsam genutzten Frequenz, und der SLM liefen daraufhin noch Verhandlungen zur Aufstockung unserer Sendezeit um weitere 14 Stunden.
Mit Erfolg. Am 1. Oktober 2004 wurde der Sendebetrieb auf der neuen Frequenz 102,70 MHz aufgenommen, mit nunmehr 42 Wochensendestunden, täglich von 18  bis 24 Uhr. Die erste Sendestunde davon gehört Radio UNiCC.

2004 gründete sich das Redaktionsplenum von Radio T. Dieses beschloss die Programmstruktur des neuen Radio T Radioprogramms. Vierteljährlich trifft sich dieses Radioplenum und beschließt das Programm der nächsten drei Monate.
Dieses Plenum nimmt neue Sendungen in das Radioprogramm auf und vergibt an Interessierte freie Sendeplätze. Die Sitzung des Plenums ist öffentlich, und Gäste sind gern gesehen.

In den Jahren 2005 und 2006 sind viele neue Radiomacher mit eigenen Ideen zu Radio T gestoßen.

Das Programm entwickelt sich stetig und bietet auch weiterhin Platz für neue Radiomacher.

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